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Die Barhufumstellung

Aktualisiert: 11. Nov. 2020


Wenn man ein gesundes Pferd mit leistungsfähigen und gesunden Hufen - und diese auch noch optimal beschlagen wären - auf barhuf umstellen würde, so könnte man meinen, dass die Barhufumstellung ein leichtes wäre.

Bei Glanni war dies leider nicht der Fall. Durch dauerhaften und fehlerhaften Beschlag produziert der Huf weicheres Hornmaterial als er dies wahrscheinlich barhuf tun würde, er passt die Qualität und den Nachschub an den Abrieb an. Und da dieser bei dauerhaftem Hufschutz nur sehr minimal ist, wird entsprechend weicheres Horn produziert, als es der Huf als barhuf eigentlich bräuchte. Nichtsdestotrotz, würde sich das ganze schnell verbessern, da allein die Sohle sich bereits nach 4-8 Wochen erneuert und die Meinung, dass man nur 12 Monate warten müsse, bis sich die Hornkapsel einmal erneuert habe, trifft häufig nicht auf alle Pferde zu. Denn das Innenleben, welches eventuell in seiner Funktion beeinträchtigt gewesen ist, meldet sich gerade bei einer Umstellung ebenfalls zu Wort, wenn diese durch fehlerhafte Bearbeitung und Beschlag in Mitleidenschaft gezogen worden ist.

Nach einer Umstellung ist daher äußerste Vorsicht geboten, selbst kleine Bearbeitungsfehler können große Auswirkungen haben. Nimmt man zu viel weg, provoziert man eine Huflederhautentzündung. Lässt man an den falschen Enden zu viel stehen, kann sich dies ebenfalls negativ auf den Huf auswirken. Das gilt natürlich bei allen Hufen, nur gerade in einer Umstellung können Hufsituationen sich sehr rasant umschwenken.


Wichtig dabei ist, dass es dem Pferd während der Umstellungsphase gut geht und man eine optimale Lösung für das Pferd findet. Es sollte eigentlich zu keiner Zeit fühlig oder Schmerzhaft laufen. Gerade in der Umstellungsphase helfen dem Pferd Hufschuhe, die es auch mal tagsüber auf dem Paddock oder im Stall tragen kann, sollte das Pferd nach der Eisenabnahme nicht so laufen wie erwünscht.


Als ich bei Glanni damals die Eisen abnehmen lies, sahen seine Vorderhufe so aus:

Die Zehe ist deutlich zu lang, die Trachten schieben unter und an der Zehenwand lässt sich ein deutlicher Knick erkennen, wo man meint, der Huf wolle steiler nachwachsen. In meinen Augen führt aber der Zehenhebel zu diesem Knick, denn ganz so steil sollte der Huf dann doch nicht runter wachsen.


Ich besitze ärgerlicherweise nur ein Sohlenfoto vom linken Vorderhuf.

Die Ballen sind gestaucht, die Trachten zwängen den Huf ein, die nach außen verbogenen Eckstreben begünstigen die Situation ebenfalls.

Die Fotos stammen vom August 2017. Er lief selbst auf dem Platz im Sand fühlig bis schmerzhaft und brauchte Hufschuhe. Damals bearbeitete ich seine Hufe noch nicht selbst und überlies die Umstellung einem anderen Fachmenschen. Dadurch, dass ihm zu viel Material weggenommen worden ist - und wie man auf dem Foto sieht, seine Hufe sich in einem eh problematischen Zustand befanden - entwickelte er am nächsten Tag eine Huflederhautentzündung. In den nächsten Wochen trug er 24h Hufschuhe, mit denen er gut lief und konnte nachts in einer Box stehen, damit sich seine Hufe wieder auskurieren konnten. Im Oktober war es dann soweit überstanden, die Lederhautentzündung war ausgeheilt und Glanni ging es wieder gut und er galoppierte bereits wieder in seinem Offenstall.

Die Umstellung bei ihm ist demnach natürlich nicht ganz glatt gelaufen und so sollte es selbstverständlich nicht laufen. Aus diesem Grund ist deshalb genau zu beobachten, wie schnell so eine Umstellung erfolgen sollte. Bei ihm ging es tatsächlich zu schnell und man hätte ihm am besten von Anfang an Schuhe angezogen. Aus diesem Grund sind Hufschuhe in der Umstellungsphase in den meisten Fällen unerlässlich.

Trotz der Problematik hat sich Glannis Hufsituation deutlich verbessert. Wir benötigen auf dem Reitplatz keine Hufschuhe mehr. Im Gelände können wir auch Stundenritte ohne Hufschuhe antreten. Bei einem mehrstündigen Ritt und den vielen Schotterwegen die wir bei uns haben, ist es mir doch zu heikel und ich verpasse ihm dann doch lieber Hufschuhe.


So sehen seine Hufe heute aus:

Wir haben auch immer noch ein wenig mit dem Trachtenzwang zu kämpfen, die Ballen haben sich aber schon etwas erholt und der Huf an sich hat sich etwas geweitet.














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