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Untergeschobene Trachten

Aktualisiert: 25. Okt. 2020


Bei diesem Pferd hatte ich im April 2020 die erste Bearbeitung. Bereits 2 Monate später kann man schon eine deutliche Verbesserung sehen; die Trachten fangen an sich wieder aufzustellen.


Untergeschobene Trachten sieht man immer häufiger. Man erkennt sie, indem man seitlich den Huf betrachtet (wie oben auf meinem Foto) und sich das Verhältnis der Zehen- und Trachtenwandlinie anschaut. Die Trachtenwandlinie sollte parallel zur Zehenwandlinie verlaufen.


Man erkennt es auch am aufgehobenen Huf anhand des Sohlenbildes, nur leider besitze ich zu diesem Huf keine Sohlenfotos. Wenn man sich die Sohle anschaut, sollte der Strahl und die Trachten auf gleicher Höhe sein. Sobald die Trachtenwandlinie nicht mehr parallel zur Zehenwandlinie verläuft und unterschiebt, kann die darunterliegende Hufrolle, im engeren Sinne bestehend aus dem Strahlbein, Hufrollenschleimbeutel und der tiefen Beugesehne, unphysiologischen Druck erhalten. Auch weitere Strukturen wie Hufknorpel und Hufkissen können durch die untergeschobenen Trachten Druck erfahren, haben wenig Platz und im weiteren Verlauf kann es dann zu Schäden an den beteiligten Strukturen kommen. Die Dämpfung des Hufes wird je nach Ausprägung ebenfalls beeinträchtigt. Man geht dadurch ein sehr hohes Risiko ein, dass das Pferd früher oder später an Podotrochlose erkrankt oder andere Schädigungen im hinteren Hufbereich aufweist.


Die Ursache an untergeschobenen Trachten liegt sehr häufig an einer Überlastung des hinteren Hufbereiches und dadurch nicht mehr tragfähige Trachten, die dem Druck nachgeben und unterschieben. In den meisten Fällen beobachte ich dabei eine zu lange Zehe und/oder einen ungünstigen Abrollpunkt. Wenn die Zehe zu lang ist, bietet diese einen größeren Hebel und verändert das Fußungsverhalten des Pferdes. Durch den Zehenhebel kommt es zu einem vermehrten Zug an der weißen Linie, der sich wiederum weiter oben auch am Hufbeinträger durch Schmerzen bemerkbar macht. Das Pferd fängt an, das Abrollen über die Zehe zu vermeiden und stößt sich vermehrt über die Trachten ab (dies ist mit bloßem Auge kaum zu erkennen, da auch der Vorführbogen sich nur unmerklich verändert). Durch das veränderte Abfußungsverhalten spannt sich auch die Tiefe Beugesehne mehr, weshalb Sehnenprobleme häufig mit zu spitzen Hufen einhergehen.


Aber nicht nur eine zu lange Zehe kann verantwortlich dafür sein.


Ein fehlerhaftes Zurücksetzen der Zehe im 90° Winkel zum Boden und eventuell auch daraus resultierende Bullnasen können die Lederhäute an der Hufbeinspitze reizen und Entzündungen hervorrufen, die das Pferd dazu veranlassen, das Gewicht mehr auf die Trachten zu verlagern.


Sind die Trachten zu lang, führen diese zu einem größeren Hebel, setzen den Fußungspunkt weiter vor und begünstigen dadurch ein unterschieben ebenfalls.


Hier habe ich noch ein paar weitere Beispiele von untergeschobenen Trachten.

Vor der ersten Bearbeitung:

Nach der ersten Bearbeitung:


Vor der ersten Bearbeitung:

Nach der ersten Bearbeitung:


 

Quellen:

Das Buch "der Huf - Lehrbuch des Hufbeschlages. 6. Auflage, Seite 135




















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